Andacht Oktober 2019

Unser Monatsspruch für November

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

(Hiob 19,25)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

Als ich vor Kurzem auf mein erstes grünes Kreuz gestoßen bin, von denen derzeit einige auf den abgeernteten Feldern der Bauern aufgestellt wurden, bin ich ein wenig erschrocken: „Was ist denn da passiert?“ dachte ich. „Wird doch niemand gestorben sein!“ Zwei Felder weiter das nächste Kreuz, und dann noch eins…

Also um kollektiven Selbstmord handelte es sich zum Glück nicht, wie ich feststellen konnte. Allerdings haben die grünen Kreuze schon die von den Aufstellern bezweckte Wirkung erzeugt: „Schaut her, wie es uns geht! Wir schreien um Hilfe angesichts der Ungerechtigkeiten, die uns widerfahren!“ Die Bauern wollen auf einen Mißstand aufmerksam machen.

Ich möchte an dieser Stelle das Kreuz in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen stellen: Ich denke, dass das Symbol des Kreuzes von seiner ursprünglichen Bedeutung her das falsche Symbol für die Mahnungen der Landwirte ist. Genauso falsch im Übrigen wie die Kreuze am Wegesrand, die darauf hinweisen, dass hier jemand zu Tode gekommen ist, als Mahnmal dienen.

Das leere Kreuz ist zu aller erst ein Hoffnungszeichen. Der, der gekreuzigt wurde, ist nicht hier, er ist auferstanden. So wurde das Kreuz, einst Marterinstrument der Römer für grausame Todesstrafen, das Zeichen der Liebe Gottes. Gott hat Jesus nicht am Kreuz gelassen, sondern ihn auferweckt. Das leere Kreuz ist somit Zeichen der Liebe Gottes geworden und weist auf die Erlösung hin, die Christus für die Gläubigen bedeutet.

Erlösung! Wer kann damit heute etwas anfangen? Brauchen wir Erlösung?

Erlösung ist mehr als das Loswerden einer großen Not, die beispielsweise die Bauern in diesen Zeiten sicher zu Recht beklagen.

Erlösung im christlichen Sinne geht weiter. Wer sich nach Erlösung sehnt, hat das Unrecht und das Elend im Blick, das ihr oder ihm oder der ganzen Welt zu schaffen macht.

Erlösung bedeutet nun nicht Vertröstung auf ein fernes Jenseits, sondern soll schon jetzt unser Leben bestimmen.

Wer Christus als den erkannt hat, der sogar den Tod überwunden hat, der erkennt Gottes große Verheißung für sein Leben. Sogar der Tod kann ihm nichts anhaben.

Mich macht dieses Wissen zuversichtlich, auch angesichts der Nöte, die mir begegnen. Und es macht mich mutig, auch gegen Ungerechtigkeiten laut zu werden.

Von daher gesehen hat das „Grüne Kreuz“ der Bauern doch etwas mit unserem christlichen Glauben zu tun: Nichts ist vergeblich, was wir für einander und für unsere Welt tun, sondern es steht unter einer großen Verheißung.

Bestimmt hat einst der Mensch Hiob davon etwas gewusst, als er angesichts größter Nöte, die ein Mensch erleben kann, erkannt hat: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Gott, der einst die Israeliten befreit hat, hat sich uns Christen in Jesus Christus als der Erlöser gezeigt.

Das feiern wir im Übrigen in jedem unserer Gottesdienste, besonders deutlich in der Feier des Heiligen Abendmahles, zu dem ich Sie alle jetzt im Herbst besonders einlade.

Ihr Pfarrer Johannes Raithel

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