Andacht für zu Hause am 18. Sonntag nach Trinitatis 11. Oktober 2020

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe (1.Johannes 4,21)

Lied: EG 452,1-5 „Er weckt mich alle Morgen“

Gebet:

Gott, du bist der Ursprung aller Liebe;

aus Liebe hast du alles erschaffen,

aus Liebe hast du uns bewahrt bis zu diesem Tag.

Mach unser Leben zu einer Antwort auf diese Liebe.

Gib uns die Kraft, dich über alles zu lieben

und deine Güte weiterzugeben an die Menschen auf unserem Weg.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Lesung: Markus 10,17-27

Lied:  EG 414,1-4 „Lass mich, o Herr, in allen Dingen“

Bibelwort:  5. Mose 30,11-14

Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete,

ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern.

Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest:

Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?

Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?

Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir,

in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Auslegung:

Liebe Schwestern und Brüder,
kennen Sie die mahnende Frage „wie sagt man?“. Sie gehörte zu meiner Erziehung, zu Ihrer Erziehung möglicherweise auch. Eine Frage, mit der sich nachweislich belegen lässt, dass wir mit Regeln aufgewachsen sind und Menschen nach wie vor mit Regeln aufwachsen. Nebenbei gesagt, die richtige oder die erwartete Antwort auf „wie sagt man?“ fiel nicht immer leicht. Und der Umgang mit Regeln fällt bis heute nicht immer leicht. Seit Wochen und Monaten stehen wir vor der Herausforderung der Einhaltung ganz neuer Regeln. Auf den Punkt gebracht, ist es die AHA-Regel, die und jetzt schon länger begleitet. AHA bedeutet: Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung) tragen.

Wenn ich aber an die mir früher bekannte Deutung von Aha denke, dann heißt das doch in aller Regel, ich habe etwas verstanden, ich habe etwas begriffen. Eine Umfrage der Universität Erfurt  macht allerdings deutlich, dass einerseits eine große Mehrheit unserer Bevölkerung die neue Bedeutung einer AHA-Formel und vor allem deren Umsetzung durchaus begriffen hat. Aber es gibt auch Ausnahmen, die insbesondere bei Männern und jüngeren Menschen zu finden sind.

Und manche, die mit Regeln Schwierigkeiten haben, versuchen die Gefährlichkeit des Virus herunterzuspielen, verlieren sich in abenteuerlichen Verschwörungstheorien oder beklagen den Verlust ihrer Freiheit.

Nun ist es in der Tat so, und das war schon immer so: Regeln schränken auch ein. Und selbst die im Grundgesetz garantierten Grundrechte gelten nicht schrankenlos. Sie wirken nicht für sich allein, sondern immer zusammen. Und so kann es zu Situationen kommen, die einen Ausgleich zwischen diesen Rechten erforderlich machen, d.h. mal muss das eine zugunsten des anderen eingeschränkt werden.

Von Mitte März bis Anfang Mai haben wir eine Einschränkung unserer Religionsausübungsfreiheit hinnehmen müssen, da es in dieser Zeit aufgrund staatlicher Verordnung nicht möglich war, Gottesdienste zu feiern.

Diese  war   schmerzhaft, andererseits hat sie dem Schutz der Kranken und Schwachen gedient, deren Leben ich nicht gefährden möchte. Darum war die Einschränkung, wenn auch schmerzhaft, zugleich doch auch richtig. Auf jeden Fall stand sie ganz auf dem Boden des christlichen „Grundgesetzes“ der Nächstenliebe.
Um der Liebe willen zu denen, deren Leben ich ansonsten in Gefahr bringen könnte,  musste ich vorübergehend auf die Möglichkeit verzichten, Gottesdienste zu feiern.
Unser Bibelwort aus dem 1. Testament spiegelt auch die Erfahrung, dass der Mensch nicht ungebremst seine Freiheit leben kann – möglicherweise auf Kosten anderer, die nicht so stark oder durchsetzungsfähig sind. Er ist – so die Erfahrung schon damals – auf ein Rechtssystem angewiesen. Auf eine Instanz, die ihm vermittelt – mit diesem Regelwerk kannst du gut leben.

Wie gut man damit leben kann, versucht uns unser Predigttext nahezubringen.

Menschen können gut damit leben, weil die Regeln nicht lebens- und schon gar nicht weltfremd sind. Denn sie kommen nicht von einer weit entfernten Gottheit, die irgendwo in den unvorstellbaren Weiten des Alls thront, sondern von dem Gott Israels, der sein Volk aus der Gefangenschaft befreit hat, der das Volk auf seinem beschwerlichen Weg durch die Wüste begleitet, ernährt, mit Wasser versorgt und bewahrt hat. All das, was Gott tut, steht im Zusammenhang mit dieser großen Befreiungsgeschichte. Die Gebote geben Orientierung und Halt, um sich in dieser Freiheit nicht zu verlieren.

Die Bibel erzählt die Geschichte des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Eine Geschichte der Krisen und Brüche. Immer wieder muss der Bund erneuert werden. Denn die Menschen halten Gott nicht die Treue. Die Gesellschaft entwickelt sich in die falsche Richtung. Statt Einigkeit und Recht und Freiheit – Egoismus, Korruption und Unterdrückung.

Von einem  erneuerten Bund zwischen Gott und Israel erzählt auch unser Bibelwort. Dort heißt es: Gottes Bundesregeln sind nicht im Himmel und auch nicht jenseits des Meeres. Sie sind nicht im Himmel für die Ewigkeit geschrieben. Sie sind auch nicht abgeguckt von dem, was irgendwo auf der Welt gilt. Sondern wenn hier ein Bund geschlossen wird, dann zählt, was wir im Herzen haben. Dann ist der Bund so lebendig, wie unser Herz schlägt. Weil Gott seinen Geist in unser Herz legt. Diesen Geist atmet auch der Bund, den Jesus stiftet.

Seine Präambel ist die Liebe Gottes und ein gnädiger Blick auf den Menschen. Sein Grundrecht ist die Liebe – zu Gott, zu anderen Menschen, zu Gottes Schöpfung. Amen.

Lied: EG 295,1-4 „Wohl denen, die da wandeln“

Gebet:

Ganz nah ist dein Wort, gütiger und liebender Gott.

Wenn wir dich suchen, bist du längst da.

Wenn wir in Angst sind, hast du Rat und Trost.

Wir bitten dich:

Sprich dein Wort zu den Mächtigen, damit ihre Worte einen und verbinden, damit ihre Taten helfen und schützen, damit ihre Pläne dem Frieden und der Gerechtigkeit dienen.

Sprich dein Wort zu den Kranken, zu den Infizierten, zu denen, die pflegen und heilen.

Sprich, damit dein Wort Trost gibt und die Angst vertreibt,

damit die Einsamkeit weicht, damit dein Wort Mitgefühl und Liebe weckt und die Kälte und Verachtung vertreibt.

Sprich dein Wort zu uns, damit wir es tun.

Sprich dein Wort zu denen, die zu uns gehören, damit sie leben.

Sprich dein Wort zu den Suchenden, damit sie dich finden.

Ganz nah ist dein Wort, gütiger und liebender Gott.

Heute und morgen und alle Tage durch Jesus Christus. Amen.

Vaterunser

 Lied: EG 347,1-4 „Ach bleib mit deiner Gnade“

Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse das Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe das Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen. 

Dekan Hans-Gerhard Gross

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