Welche Kirche wollen wir?

Landesbischof Bedford Strohm zu Besuch in Tauberzell

Tauberzell – Im Rahmen seiner Visitation im Dekanat Rothenburg vom 5. – 6. 2. 2020  besuchte Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm auch Tauberzell.

Auf dem Besuchsplan des Bischofs standen vor allem kirchliche Einrichtungen im Dekanat und die Menschen in den leitenden kirchlichen und kommunalen Ämtern.

Am Mittwoch, 5.2. besichtigte der Landesbischof mit seiner persönlichen Referentin Kerstin Kipp das Elisenstift in Schillingsfürst und die Kindertageseinrichtung. Nach dem Mittagessen in Schillingsfürst folgte eine „Pilger“-Wanderung von Rothenburg nach Bettwar. Pilgerpfarrer Dr. Oliver Gussmann, Dekan Hans-Gerhard Gross und weitere Personen begleiteten ihn. In Bettwar ließ sich der Landesbischof die St.-Georgs-Kirche zeigen.

So dann ging es mit PKWs nach Tauberzell. Dort nahm Bedford-Strohm an der Pfarrkonferenz teil, die aus diesem Anlass im Gemeindehaus in Tauberzell stattfand.

Der Landesbischof begann  in seinem Impulsreferat mit der Feststellung, dass sich die kirchliche Situation in den letzten Jahrzehnten massiv verändert hat.Als Beispiel nannte er die schwindende Kirchenbindung auf dem Land, deren Ursache er in dem Rückgang  gesellschaftlicher Konventionen und der Individualisierung der Gesellschaft sieht. Während es sich in den 50 er Jahren des letzten Jahrhunderts noch gehörte, einer der beiden großen Kirchen anzugehören, verschwinden diese Bezüge zusehends.

Vielen jungen Menschen fehle zudem der Bezug zur Kirche. Kirche müsse auf die geänderten Ansprüche reagieren, die immer noch da seien. Menschen hätten ein großes Interesse an Glauben und Lebensfragen, suchen ihre Antworten aber nicht in der eigene Kirchengemeinde. Darum müsse man in den Gemeinden darauf reagieren, indem beispielsweise nicht nur der Gottesdienst am Sonntag-Vormittag auf dem Gottesdienstprogramm stehen darf. Zusatzangebote für Familien, Jugendliche, Zweifler und „Bruncher“ seien wichtig, könnten aber nicht alle in einer einzelnen Gemeinde angeboten werden. Auf diese Situationsanalyse will die Landeskirche mit dem Programm „PuK“ („Profil und Konzentration“) reagieren.

Anfragen der Pfarrerin und Pfarrer beantwortete der Bischof bereitwillig. Er selbst suche den Kontakt zu den Gemeinden, um zu erfahren, wie manches in den Gemeinden ankommt.

Er äußerte sich zu folgenden Themen: Rückgang der Gemeindegliederzahlen; Abbau des Verwaltungsapparates in den Gemeinden; Kauf eines Schiffes zur Rettung von Flüchtlingen; sexualisierte Gewalt an Kindern in der Kirche; Debatte um das Abnehmen der Kreuze auf dem Tempelberg in Jerusalem; usw.

Auch für die Anliegen der Gemeinden vor Ort fand er Gehör, etwa der Umgang mit alten, baufälligen Häusern der Kirche, deren Nutzung in einem Immobiliensicherungskonzept der Landeskirche überprüft werde. Außerdem ging es im Gespräch um die Probleme der  Landwirtschaft und um den Umweltschutz.

Im Anschluss an die Pfarrkonferenz besuchte das Pfarrkapitel mit dem Bischof die Tauberzeller Kirche. Erhard Reichert erklärte ihre Entstehung und ihre Besonderheit. Dabei spielte er selbst einige der Instrumente, die die Krippenfiguren tragen: Drehleier, Schalmei, Zink usw.

Pfr. Raithel überreicht dem Landesbischof das Tauberzeller Krippenbuch

Um 18.00 Uhr war die ganze Öffentlichkeit  zur Andacht mit dem Landesbischof in die St.Veits-Kirche eingeladen. Pfarrer Johannes Raithel und Kirchenvorsteher Frank Baumann begrüßten den Ehrengast und die Gäste.

In der Andacht zur Krippe nahm Pfr. Raithel die Figur der „Tauberzeller Wasserträgerin“ heraus und schilderte an ihr die Botschaft der Krippe: alle Menschen gehen zur Krippe und bringen dem Jesuskind ihre Gaben. Als Beschenkte kehren sie zurück und teilen wie in der biblischen Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen lebendiges Wasser aus. Die Personen an der Krippe seien voller Bewegung, so Raithel. Sie lassen sich erfüllen von der Gnade Gottes und tragen sie weiter in ihr Leben.

In seinem geistigen Grußwort an die Gemeinden legte der Landesbischof das Wort der Tageslosung zum 5.2.2020 frei aus: „Der Herr hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen im Hause des Herrn.“ Bezugnehmend auf die musizierenden Krippenfiguren machte er den Besucherinnen und Besuchern Mut, über Gottes Geschenk in Jesus nachzudenken und sich jeden Tag am Leben zu erfreuen. Die Frohe Botschaft von Jesus Christus sei nichts anderes als das, was die moderne Glückforschung anbietet.

Am Ende der Andacht verabschiedete sich Bedford-Strohm bei jedem Gast mit Handschlag an der Kirchentür. Viele Fotos wurden gemacht.

Im Anschluss an die Andacht in der Kirche stand die Sitzung des Dekanatsausschusses auf dem Programm, der aus Anlass des Bischofsbesuchs in der der Kirche benachbarten Heckenwirtschaft Müller stattfand. Neben den Mitgliedern des Ausschusses und dem Bischof waren auch einige Menschen aus der Gemeinde eingeladen. Bürgermeister Johannes Schneider brachte die Interessen der Gemeinde ein und bedankte sich in diesem Zusammenhang über das gute Miteinander von Kirche und Kommune in Adelshofen.

Altbürgermeister Hermann Schneider berichtete von der Geschichte des Weinbaus in Tauberzell und erklärte dem Bischof die Besonderheiten des Weines im Taubertal. Weinrprinzessin Theresa I. war ebenfalls dabei, außerdem Mitglieder des Tauberzeller Kirchenvorstands und aus dem Gemeinderat der Gemeinde Adelshofen.

Bedford-Strohm und seine Referentin freuten sich über das Miteinander in der Gemeinde und fühlten sich „sauwohl“ am ersten Abend ihrer Visitation.

Am folgenden Tag standen für den Bischof Besuche bei der EJSA in Rothenburg, ein Treffen mit den Bürgermeistern, sowie ein Besuch in der St.-Martins-Kirche in Gebsattel bei den Mitgliedern des Tansania-Forums auf dem Programm.

Der Bezirksposaunenchor Rothenburg Nord und Süd verabschiedete die Gesandtschaft aus München mit einem abschließenden Konzert am Nachmittag.

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