Andacht Juni 2019

Unser Monatsspruch für Juli

„Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“
(Jakobus 1, 19)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,
sehr weise Worte werden uns im Monatsspruch für Juli mit auf den Weg gegeben. Drei Aufforderungen höre ich, von denen mir die beiden ersten schon oft begegnet sind, etwa in den Sätzen:
1. Hör gut zu! Sei aufmerksam! Höre auf die Zwischentöne!
2. Denk erst nach, bevor du redest! Überlege dir, was du sagst!
Und ich fühle mich gleich ertappt. Denn oft genug sage ich etwas, das ich später bereue. Wir kennen das ja auch bei anderen Menschen die sprichwörtlich ihr Herz auf der Zunge tragen. Die sind zwar wenigstens ehrlich, aber oft genug auch verletzend.
Es geht in diesem biblischen Wort um wertschätzende und friedliche Kommunikation. Freilich gab es zur Zeit des Briefschreibers andere Möglichkeiten wie heute. In Zeiten von WhatsApp und Smartphones können wir viele Informationen nicht richtig verarbeiten. Schnell wird reagiert und geantwortet, und wer nicht antwortet, gilt als assozial. Mit dem Handy wird viel vereinbart, was ich persönlich sehr praktisch finde.
Aber wir sehen bei dieser digitalen Kommunikation nicht, wie der andere fühlt, was ihn umtreibt. Man setzt einen sog. „Emoji“ und die Kommunikation ist beendet.
„In echt“ oder am Smartphone geht es um die alte Weisheit, die mit den Gefühlen beim Reden und Hören zu tun hat. Es gibt im Leben jedes Menschen Sätze, die sich ins Herz einbrennen. Manchmal steigt uns die Zornesröte ins Gesicht, etwa bei Vorwürfen, die mit dem Satz beginnen: „Ich hab es ja schon immer gewusst…“ Eine passende Antwort darauf gibt es nicht.
Es gibt aber auch andere Sätze. Worte, die wärmen, wie etwa: „Ich traue dir das zu!“ – „Ich verstehe dich!“ – Sätze, die Leib und Seele wohltun, die nicht Zorn, sondern Mut hervorrufen, weil der andere langsam macht mit schnellen Lösungen.
Die biblische Weisheit lädt dazu ein, gut zuzuhören und aufeinander zuzugehen. Und sie weiß: Hinter aller Kommunikation gibt es einen, der mich versteht, der meine Gefühle und meine Verletzungen kennt. Wenn ich den hinter mir weiß, wird es mir gelingen, friedlich, einfühlsam und gelassen mit anderen – und mit mir selbst – umzugehen.

Ihr Pfarrer Johannes Raithel

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