Andacht Dezember 2022

Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe,

der Herr kommt gewaltig

(Jes 40. 3.10)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserin, lieber Leser,

„Früher war alles anders!“. So heißt es in diesen Tagen oft und dann werden die realen Schreckensszenarien dieser Zeit aufgereiht: der schreckliche Krieg in der Ukraine und die menschlichen Tragödien, wirtschaftliche und soziale Folgen; damit einhergehend die Energiekrise. Dann die  und sich spürbar anbahnende Klimakatastrophe, auf die wir zusteuern und die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit beim Umgang mit Arbeiter-„Sklaven“ in der arabischen Welt.

Was und worauf noch freuen. – Die Adventszeit als Gegenmittel oder Betäubung kommt einem gerade recht. Doch wer genau hinsieht und sich an die Wurzeln unserer christlichen Tradition erinnern kann, erkennt, dass gerade diese besondere Zeit des Advents von seinem Sinn her eine Antwort auf die Krisen unserer Zeit bereithält:

Gott wird kommen! Ja, er hat das Elend dieser Welt schon längst gesehen und gehandelt. Es geht für mich nicht darum, auf welcher Seite ich stehe und welche Position ich in dieser oder jener Krise einnehme. Ich weiß ganz genau, dass ich mich irren kann und immer wieder auch geirrt habe.

Es kommt darauf an, ob ich meinem Gott die Veränderung der Verhältnisse zutraue und daraus Kraft schöpfe, meinen Beitrag zu leisten. Wenn ich Gott erwarte, den kommenden Herrn, der sich zu uns auf den Weg mach, dann erwarte ich das Leben für mich und diese Welt.  Wer Gott erwartet, wird nicht enttäuscht.

Ich wünsche mir, dass sich diese Vorfreude auch in diesem Jahr einstellt und wir eine erfüllte Zeit erleben. Wir reden und hören zu. Haben unsere Rituale, laden dieses Fest auch ziemlich auf und lösen die Erwartungen manchmal nicht ein. Aber der Weg dahin ist nicht nur ein Weg, den ich selbst gehe. Sondern es ist auch der Weg, auf dem Gott mir entgegenkommt. Und die Ankunft ist nicht nur ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte, sondern kann auch mir selbst zu einem Wendepunkt werden. In meiner eigenen Umkehr. In einer neuen Hinwendung zu dem, der mir nahekommen will. Der nicht nur die Mächtigen vom Thron stürzt, sondern Arme hat, mich zu tragen und mir den Weg zu zeigen.

Musik hilft! Bereitet dem Herrn den Weg und freut euch auf die  kommende Zeit. Denn Gott ist auf dem Weg zu uns.

Gott, komm uns entgegen und geh mit uns durch die kommende Zeit. Schenke uns und allen Geduld und Zuversicht in unruhigen Zeiten. Richte uns an Christus aus, dass wir uns gegenseitig beistehen, dass wir uns helfen, wo Not ist, dass wir uns selbst nicht die Nächsten sind und die in der Ferne nicht vergessen. Mach den Kriegen dieser Welt ein Ende und zeig uns, was wir tun können. Segne alle, die auf dem Weg sind, dass sie heimkommen und liebevoll empfangen werden. Segne alle, die auf der Flucht sind und Verfolgung leiden. Wir sehnen uns nach Frieden und Gerechtigkeit, auch in diesem Advent. Nimm uns unsere Ratlosigkeit und Trägheit. Komm uns entgegen und geh mit uns durch die kommende Zeit. Amen!

Trotzdem und gerade jetzt: Frohe Weihnachten! Ihr Pfarrer Johannes Raithel

Kommentare sind geschlossen.