Andacht Oktober 2020

Unser Monatsspruch für November

Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9

Liebe Leserinnen und Leser,

ein ungewöhnliches Jahr neigt sich dem Ende zu.

die Kirchweihen werden gefeiert, das Erntedankfest steht vor der Tür und all das ist selbstverständlich. Ich frage mich, warum auch nicht: die Kirchen sind geweiht und, zumindest ist in meinem Garten die Ernte so üppig wie seit langem nicht mehr. Wir wussten nicht wohin mit den Pflaumen und wissen nicht wohin mit den Äpfeln.

Es scheint in Gottes Plan zu liegen, dass der Mensch nicht immer und überall der wichtigste Bewohner unserer Erde ist. Jedenfalls, und das kann ich nach einem halben Jahr im Homeoffice sagen, hat sich die Natur, weder Tiere noch Pflanzen, irgendwelche Gedanken um das Coronavirus gemacht.

Die Schöpfung gedeiht in all ihrer Pracht. Und ich habe das mit allen Sinnen erlebt und genossen. Und ich habe auch nichts vermisst. Mittlerweile sind auch wir wieder unterwegs, gehen Essen und treffen uns mit Freunden.

Was ich aber nicht verstehe ist, dass eine Feier, eine Party nach der anderen steigt. Für mich fühlt sich das so an, als ob es kein morgen gäbe, und man genießt das Leben in vollen Zügen, egal wie es anderen dabei geht.

Ich hätte mich gefreut, wenn man dieses Jahr genutzt hätte, um über unsere Aufgabe als Menschen, als Geschöpfe Gottes, nachzudenken und zu reflektieren.

Zeit dafür wäre ja genug gewesen und für mich ist diese Zeit vertan:

Umweltaktivisten gegen Klimawandelleugner, Bauern gegen Naturschützer, Wirtschaft gegen Gesundheitspolitiker, Rassisten gegen Flüchtlinge.

Diese Liste ließe sich beliebig erweitern.

Hätten wir diese Zeit nicht besser genutzt, um statt übereinander miteinander zu reden? Können wir uns in dieser Zeit nicht von unserer Ansicht verabschieden, dass nur wir recht haben? Ist uns nicht klar, dass es wie bei dem Virus kein Richtig oder Falsch geben kann, einfach deshalb, weil uns die Erfahrung dafür fehlt?

Es gibt genug Fragen auf die wir gemeinsam Antworten finden müssen.

Und jetzt komme ich auf das Titelbild dieses Gemeindebriefes.

Zufällig wurde ein Apfel auf einem Zaun aufgespießt, und das hat mich inspiriert über dieses Bild nachzudenken.

Wir haben heuer diese reiche Ernte und brauchen uns um diesen einen Apfel nicht zu kümmern. Wir werden auch heuer wieder satt.

Gleichzeitig symbolisiert der Zaun für mich, dass wir alles im Überfluss haben, wir andere an diesem Reichtum aber nicht teilhaben lassen wollen.

Ist es wirklich unmöglich 12.000 Flüchtlinge in einem Europa mit 500 Millionen Einwohnern aufzunehmen oder, wenn wir das nicht wollen, wenigstens an unserem Reichtum teilhaben zu lassen?

Hier passt auch der Monatsspruch für Oktober:

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl. Jeremia 29,7

Ich möchte meine Zeit, meinen Reichtum (ich meine damit nicht Geld),meine Gastfreundschaft mit vielen Menschen teilen. Und ich habe es oft genug erlebt, dass ich viel mehr zurück bekomme, als ich gegeben habe.

Denn es gibt ein Wort, dass ich auf mich nie angewendet haben möchte: Wohlstandsverwahrlosung. Nur gemeinsam werden wir der Stadt, der Gesellschaft, der Gemeinde und der Kirche Bestes nicht nur suchen sondern finden.

Ich hoffe, dass wir an Erntedank allen diesjährigen Widrigkeiten zum Trotz Freude und Glück empfinden, was wir erhalten und dankbar dafür sind was wir, mit meiner Meinung nach geringen Einschränkungen genießen können.

Ich freue mich jetzt im Herbst auf eine neue andere Jahreszeit, die ich ebenso genießen werde wie den üppigen Frühling und unsere Früchte,

Ihr Thomas Ohme

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